Nach mehr als zwei Jahren Wartezeit kommt der Hoka One One Clifton 10 mit einer radikalen Änderung unter der Sohle: satte 42mm Fersenhöhe, was ihn de facto zum vollwertigen Maximalisten macht. Die Frage liegt nahe: Ist er noch ein Clifton oder etwas anderes geworden? Die kurze Antwort: Für alle, die mehr Dämpfung suchten, ist diese Version genau das Richtige; für alle, die die Leichtigkeit und das agile Gefühl früherer Versionen schätzten, könnten das Mehrgewicht und die höhere Plattform ein Rückschritt sein.
Im Vergleich zum Vorgänger Clifton 9 sind die Änderungen tiefgreifend, auch wenn die Außenoptik täuscht. Die Mittelsohle verwendet weiterhin komprimiertes EVA - ja, dasselbe wie immer - in einem Markt, wo Marken wie ASICS oder Adidas bereits auf Nitrogen-Schäume mit deutlich mehr Response setzen. Der offizielle Drop steigt von 5 auf 8mm (Labormessung: 12,4mm), eine klare Wendung zum Fersenläufer. Die gute Nachricht: Hoka hat die Beschwerden zur engen Passform gehört und die Zehenbox deutlich verbreitert, was die Zehenbewegung bei langen Läufen erleichtert. Das Jacquard-Mesh-Obermaterial priorisiert Haltbarkeit und Komfort über Atmungsaktivität - mit 3 von 5 in Belüftungstests - und die Zunge verliert das semi-gusseted System zugunsten von zwei Schnürsenkel-Ösen, was diskutabel ist.
Das Interessanteste am Clifton 10 ist, wie Hoka die Stabilität trotz der monumentalen Plattform gelöst hat: Die seitlichen Wände der Mittelsohle und die außergewöhnlich breite Mittelfußzone halten den Schuh auch für leichte Überpronierer stabil. Die Außensohle gewinnt an Traktion gegenüber der v9 (von 0,33 auf 0,49 in Haftungstests) und die Haltbarkeit ist in allen getesteten Zonen hervorragend. Gegenüber Konkurrenten wie dem ASICS Gel Nimbus 25, dem New Balance 1080 v12 oder dem Saucony Triumph 23 bietet der Clifton 10 die natürlichste Stabilität und einen Einführungspreis von etwa 150€, der ihn wettbewerbsfähig hält, obwohl das Fehlen eines modernen Schaums ihn bei der Energierückgabe gegenüber Optionen mit neuen Schaumtechnologien wie dem Nike Vomero 18 etwas zurückfallen lässt. Ideal für lockere Dauerläufe, lange Einheiten im Gesprächstempo und neutrale Läufer, die Komfort über alles stellen. Warnung: Das Gewicht (277g Herren) und der eher weiche Charakter machen ihn wenig geeignet für Intervalle oder zügigem Tempo - dafür ist der Mach 7 da.